Der Weinexperte

Der Winzermeister
Steffan Haub beantwortet kompetent und mit Freude Ihre Fragen rund um das Thema Wein.
Ihre Fragen senden Sie uns bitte über das
Kontaktformular zu.
Allgemeines ::
Haltbarkeit ::
Lagerung ::
Lagen und Weingüter
Beeinträchtigen Plastikkorken die Qualität des Weines? Und warum
überhaupt dieses neumodische Zeugs? Was ist mit Presskorken oder gar
Schraubverschlüssen? Gut oder schlecht? Ihr Urteil, bitte!
Der Bedarf an Kork ist auf dem Weltmarkt in den letzten Jahren dramatisch angestiegen. Da sich dieses Naturprodukt insbesondere in der Bauwirtschaft ernormer Beliebtheit erfreut, wurden die natürlichen Bestände immer knapper. Das hatte zur Folge, das der Naturkork für alle Winzer immer teurer, die Qualität durch die immer weiter vorgezogenen Schälrythmen der Korkeichen aber immer schlechter wurde. Das lässt sich auf Dauer eben niemand gefallen. Zu dem altbekannten Drehverschluss und dem Kork aus verleimten Korkstücken kam in den letzten Jahren auch der Kuststoffkork hinzu und ganz neu - der Glasschliffverschluss. Hier nun meine ganz persönliche Bewertung der einzelnen Verschlussarten:
| Vorteil | Nachteil |
| Naturkork |
| ästetisch, altbekannt |
Gefahr von Korkgeschmack und auslaufenden Flaschen |
| Presskork, Schichtkork |
ästetik ähnlich dem Naturkork, auch hier ploppt es beim Öffnen
Gefahr von Korkgeschmack und auslaufenden Flaschen deutlich geringer als beim gewachsenen Kork |
Nicht ganz so alterungsbeständig wie Naturkork |
| Kunststoff"kork" |
| Dicht, keine Ausläufer, kein Korkgeschmack, auch hier ploppt es beim öffnen |
lässt sich mit professionellen Korkenziehen nur schlecht aus der Flasche ziehen, passt nach dem Ziehen nicht mehr auf die Flasche. Wird aus Kunststoff gefertigt (meist PU) - was ist auf Dauer mit den Weichmachern des Kunststoffes??? |
| Drehverschluss |
| Dicht, keine Ausläufer, kein Korkgeschmack, für den Wein einer der besten Verschlüsse, da für die Weinreife gilt: je dichter Verschlossen, desto besser!! Flaschen im Anbruch lassen sich problemlos und für Tage vor negativen Einfüssen bewahren. |
früher wurden meist billige Konsumweine mit Drehverschluss geliefert, deßhalb haftet dieser Art noch immer ein Billigimage an. Ploppt nicht. |
| Glasschliff |
| Vor- und Nachteile wie beim Drehverschluss, sieht aber Edler aus, ist derzeit für uns Winzer aber sehr teuer im Einkauf. |
Alles klar?
Lieber Herr Haub,
ich danke ihnen recht herzlich für ihr Urteil, und vor allem dafür, das Sie ohne fachchinesisch auskommen zu scheinen. Und Sie haben Recht, Weinflaschen mit Schraubverschlüssen haftet tatsächlich ein gewisses, nun ja ... wie soll ich sagen ... Pennerimage an. Daher also das nicht grade berauschende Durchsetzungsvermögen. Und, das wichtigste: Er ploppt nicht, wie Sie richtig sagen und ich denke, schon ab da ist ein Wein kein Wein mehr. Herabgewürdigt auf das Niveau eines ordinären Sangriamixgetränkes. Was für eine Welt! Und was kommt als nächstes? Häuser ohne Dächer gar oder Menschen ohne Nasen? Aber ich schweife ab. An und für sich wollte ich mich nur bei ihnen für die schnelle Hilfe bedanken ...
Hallo Herr Haub,
ist es sinnvoll Wein für die Kellerlagerung mit Bienenwachs zu
versiegeln, oder ist Siegellack besser? Wir haben einen dunklen Keller
(Altbau) mit 95% Luftfuechtigkeit bei einer Sommertemperatur von ca 18°,
und einer Wintertemperatur von ca. 11°. Ist dieser für eine lange
Lagerung gut geeignet?
Der Gedanke, Ihre Flaschen mit Wachs zu versiegeln ist sehr gut, nur leider darf es kein Bienenwachs sein! Aus eigener, leidvoller Erfahrung kann ich Ihnen berichten, dass Bienenwachs die Korkmotte magisch anzieht; wenn ihnen also am Erhalt Ihrer Korken gelegen ist verzichten Sie bitte auf dieses ansonsten tolle Naturprodukt. Reines Siegelwachs ist zu spröde, Sie werden beim Öffnen der Flasche keine Freude sondern viele Wachssplitterfragmente haben.
Mein Tipp: Bereiten Sie eine Mischung bestehend aus einer Hälfte normales Kerzenwachs (Paraffin oder Stearin), und zur andere Hälfte Siegelwachs und verschließen Sie damit den Korkspiegel vollständig. Das schützt vor Korkmotten und bewahrt den Füllstand der Flasche vor Verlust.
Was Ihren Keller betrifft, so bin ich wegen der hohen Luftfeuchte etwas skeptisch. Diese wird Ihnen auf Dauer das Etikett vermodern lassen. Auch wird sich ein leichter Schimmelansatz an der gesamten Flasche kaum vermeiden lassen. Vor den übrigen Vorraussetzungen ist Ihr Keller jedoch gut geeignet, die Differenz zwischen Sommer und Winter ist absolut im Toleranzbereich. Die Frage ist, ob es sich um tatsächlich sehr teure, hochwertige Weine handelt, die Sie über einen lagen Zeitraum lagern möchten - dann ist die Anschaffung eines klimatisierten Weinschrankes die bessere Alternative.
... als Liebhaber guter und edler Weine habe ich natürlich einen
entsprechenden Vorrat, darunter auch Weine von Graf von Zedlitz. Die
Weine stammen aus den Jahren um 1970 - 1990. Nun habe ich hin und wieder
mal Probleme mit dem Korken. Die sind weich und brechen beim Aufziehen.
Jetzt sagte mir ein Bekannter, das der Wein neu verkorkt werden müsse.
Stimmt das, oder hat der mich auf den Arm genommen? Ich habe in meinem
Bestand Spätlesen, Auslesen, Beerenauslesen, Trockenbeerenauslesen und
auch noch Eisweine. Für einen guten Rat wäre ich dankbar.
Ihr Bekannter hat Sie nicht auf den Arm genommen. Weine kann man neu Verkorken. Aber so einfach, wie Sie sich das vielleicht vorstellen, ist der als Umkorken in der Fachwelt bekannte Vorgang leider nicht.
Wenn ein Wein abgefüllt wird, wird der bis zur Entkeimungstrennschärfe filtrierte Wein in zuvor sterilisierte Flaschen gefüllt, d.h. beim neuzeitlichen Abfüllen von Wein herrschen sowohl im Wein als auch in der zur Abfüllung präparierten Flasche OP-Bedingungen!
Jede andere Verfahrensweise birgt die Gefahr, das sich gemeine Hefezellen aus der ordinären Atemluft mit in die Flasche schleichen, die dann wie ein "Schläfer" in der Terrorwelt auf ihre Chance warten, aktiv werden zu können. Aktive Hefezellen wirken dann ähnlich wie ein Bobenanschlag, durch die zweite eingeleitete Gärung in der Flasche entsteht Kohlensäure, im günstigsten Falle fliegt nur der Korken mit lautem Getöse durch Ihren Lagerkeller, ansonsten kommt es auch vor, das die ganze Flasche platzt.
Will heißen: Aus vorgenannten Gründen heißt auch Umkorken nicht - alter Korken raus, neuer Korken rein!!
Wie beschrieben muss zusätzlich auch der Wein neu filtriert (in Entkeimungsschärfe!), und die Flasche aussterilisiert werden, ohne das Etikett zu beschädigen. Nur eine professionelle Korkmaschine drückt den Kork ohne Quetschfalte in die Flasche, und gewährleistet so einen dichten Verschluss.
Kurzum - das ist Arbeit für einen Fachbetrieb!
Etwas einfacher und auch günstiger, wenn natürlich auch nicht ganz so effizient wie ein neuer Kork ist mittelfristig die hier bereits veröffentliche Methode, den Korkspiegel (das ist der sichtbare Teil des Korkens im Flaschenhals) mit einer Wachsmischung vollständig zu verschließen.